Sonntag, 6. Februar 2011

carnival

Ihr pfeifte der Wind um das Gesicht als sie aus dem Auto stieg. Wirbelte ihre Locken durcheinander und lies sie für einen kurzen Moment inne halten.
Wenn sie heute die Vergangenheit einholt wird sie bereit sein. Endlich bereit dem Schicksal seinen Lauf zu lassen. Bereit ihre Gefühle nicht mehr zu unterdrücken.
Sie wird ihm in in die Augen sehen und Stärke beweisen.
Man hörte ihr Absätze auf dem Teer klappern, als sie sich zu ihren Freundinnen in die wartende Schlange stellte.
Es war Fasching, doch sie würde ihre Maske ablegen. Für diesen einen Abend.
Die Füße fingen, sei es vor Kälte oder Nervosität, an zu zittern, dann ihre Hände, die Knie, der Körper.
Warme Gedanken. Sein Körper. Seine Hände. Sein Gesicht. Seine Augen. Seine Stimme.
Man sah wie sich ihre Augen weiteten. Ihr Blick schweifte nach vorne.
Seine Stimme. Seine Augen. Sein Gesicht. Seine Hände. Sein Körper.
Er.


Samstag, 15. Januar 2011

long distance

Immer wieder tauchen Erinnerungen auf und bringen für einen kurzen Moment die Gefühle mit. Die Gefühle die sie nicht mehr empfinden kann.
So sehr sie nach ihnen sucht. Sie hatte sie vor langer Zeit irgendwo vergessen. Hatte sie auf einer Parkbank abgelegt und war weggelaufen.
Sie kann sich nicht eingestehen, dass sie unauffindbar waren.
Sie steht täglich vorm Spiegel und übt das Lächeln. Übt sich darin sorglos zu leben.
Dann und wann vergisst sie sich Sorgen zu machen.
Doch da meldet es sich schon wieder, das Gewissen, ermahnt sie nicht glücklich zu sein. Ermahnt ihr Gehirn auf Hochtouren zu laufen, Lösungen zu finden, für Probleme die nicht die ihren sind.
Probleme die nicht die ihren sein sollten.


Mittwoch, 5. Januar 2011

time goes by

Die Zeit scheint nicht mehr zu stottern, fließt wieder im gewohnten Rhythmus.
Sie steht daneben und sieht zu wie die Menschen ihr Leben leben. Sie will aber nicht bereit sein.
Bereit ein normales Leben zu führen, ohne ihren Stein im Gepäck, den sie schon so lange mit sich herumträgt.
Und trotzdem ist sie nun an diesem Punkt, an dem sie sich entscheiden muss.
Den alten Weg weitergehen.
Oder bereit sein das Problem loszuwerden. Denn sie weiß, dass sie es schaffen könnte, wenn sie es nur genug wollte.
Doch sie würde die Trauer vermissen, die Tränen.
Das Weinen, das sie in den Schlaf sang, ihr Weinen.
Das Schluchzen, das sie weckte, ihr Schluchzen.
Ein glücklicher Mensch sein, ist es das was sie will?
Aber wenn man mal ehrlich ist, welcher Mensch ist schon bedingungslos glücklich?


Samstag, 1. Januar 2011

happy new year

Neues Jahr, alte Leier.
Neubeginn, welch Heuchlerei, denkt das Mädchen, das wie so viele um sie herum ein Sektglas in der Hand hält.
Leute versuchen fröhliche Gesichter zu machen. Natürlich, für Momente kann man Probleme ausblenden. Die Vergangenheit.
Vorausdenken, natürlich, nicht zurück, aber sie weiß, dass auch ihr neues ich die alten Probleme noch mit sich herumträgt. Sie hat bisher noch kein Werkzeug gefunden um den Defekt zu reparieren. Sich zu ändern würde den gewünschten Effekt nicht mit sich bringen, es wäre sinnlos.
Würde sie jemand beobachten, sähe er eine lächelnde Fassade. Sie würde nicht bröckeln, oder sollte sie sagen, nicht mehr?
Stärke beweisen, das tat ihr neues ich, das sich die letzten zwei Jahre in sie eingenistet hat, keine Schwäche zeigen.
"Frohes Neues! Auf dass alles besser wird!", tönte es aus allen Richtungen.
Doch die Vergangenheit ist immer bei ihr und wartet darauf der Gegenwart in die Quere zu kommen.


mein Silvesteroutfit

Donnerstag, 30. Dezember 2010

US Army

Die 4 saßen im nächstgelegenen McDonalds um ihren Hunger zu stillen, nachdem sie 2 Stunden quer durch die Stadt gelaufen waren. Stillschweigend aßen die beiden Pärchen ihr Menü. Die beiden Mädchen hätten glücklich nicht sein können. Sie blickten beide unvermittelt auf, ein Lächeln war in ihren Gesichtern zu sehen, Stolz, Freude, Zuneigung, Liebe.

Ein Laut schreckte die Freundinnen aus ihrer Trance. Einer der Jungs hatte seine Burgerschachtel mit einem Strohhalm zum Panzer umgebaut und fuhr nun damit auf seinem Tablett herum, während er kriegerische Geräusche von sich gab, gleich einem Kind.

Ja, selbst das verzeiht man ihr, der ersten großen Liebe.

via

Mittwoch, 22. Dezember 2010

dancing class

„Damenwahl!“, die Tanzlehrerin klatschte in die Hände und blickte den Mädchen mir aufforderndem Blick entgegen. Deren Blicke schweiften nach unten, zu ihren Füßen. Scham war in ihren Gesichtern zu sehen, auch ein bisschen Aufregung, nur 2 Gesichter blieben ausdruckslos, die der beiden Freundinnen.

Leer, kalt, verletzt, eine Art Schneewittchenschlaf, doch die dazugehörigen Prinzen fehlten, sie hatten sie nur Tage zuvor verlassen.

Der Grund für ihre Unlust, ihre Schlaflosigkeit, ihre Appetitlosigkeit, ihren Liebeskummer.

„Na gut, dann eben noch mal Herrenwahl!“


Freitag, 10. Dezember 2010

Jingle Bells

Sie stand bis zu den Knien im Schnee als ihr schwindelig wurde. Ihre Gedanken kreisten, mal wieder. Flocken wirbelten ihr um den orangen Haarschopf als sich anfing nachzudenken. Über so vieles, so viel Sinnloses. Ihre Gedanken schweiften ab und landeten beim perfekten Dejavu.
Ihr Herz rutschte in die Hose als sie ihn das erste mal sah. Er kam auf sie zu und umarmte sie, völlig unerwartet. Sie zuckte zusammen. Er nahm sie an der Hand und rannte in den Schutz der nächsten Bushaltestelle um den plötzlich auftauchenden Schneeböhen zu entkommen. Seine braunen Augen leuchteten ihr unaufhörlich entgegen.
Wahrscheinlich war es in diesem Moment schon um sie geschehen. Sie schlug die Augen auf, drehte sich um und stapfte zurück durch den Schnee.